Es gibt Zeugnisse, Baby.

“Zeugnisse sind der Penisvergleich der Mütter.“
“Zeugnisse sagen doch nichts aus.“

Nur zwei der Aussagen, die mir jedes Jahr zu Schuljahresende entgegen schwappen. Vor allem auf Twitter ist es kaum auszuhalten. Besonders schwer ist es aber, wenn man ein Kind mit einem 1er Notendurchschnitt hat. “Streber“ und “Eislaufmutti“ sind da noch harmlose Bezeichnungen.

Angefangen nach der Geburt und die ganzen letzten 9 Jahre wurde mir immer gesagt, was mein Kind nicht kann oder nie können wird. Jeden Tag kämpfen wir um jedes Stückchen Selbstständigkeit.
Mein Sohn hat sich in den letzten Jahren zu einem mutigen und witzigen Menschen entwickelt. Er kommt vorwärts, erreicht schulisch und was seine Behinderung angeht viel, was auch daran liegt, dass ich, die Lehrer und Therapeuten viel von ihm abverlangen. Er wird gefordert und gefördert, weil er nie den Luxus haben wird aus allen Berufen zu wählen, weil seine Behinderung immer vorrangig sein wird (leider) bzw er immer erst an ihr gemessen wird.
Deswegen zählt sein Zeugnis viel und bedeutet uns viel.

Und ja, ich will mich freuen und ich bin stolz, dass mein Kind alle drei Therapien und den Schulstoff super packt. Dass er in AGs mit viel Freude mitwirkt und beliebt ist, denn das sagt sein Zeugnis aus. Nicht mehr. Nicht weniger.

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5 Gedanken zu „Es gibt Zeugnisse, Baby.

  1. Wenn wir in einer Welt leben würden, in der jedes Kind nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen gefördert werden würde und insofern Sicherheit darüber bestehen könnte, dass die eigenen jeweiligen Kinder die Lebenschancen bekommen, die sie verdienen und damit eine gut Chance auf ein glückliches Leben haben, dann würde dieses Problem wohl weniger bestehen. Aber in dieser Welt leben wir nicht.

    Du hast alles Recht der Welt, auf die Leistungen deines Sohnes und auch auf seine Noten stolz zu sein. Und das auch zu sagen.

    Auch wenn entsprechende Beleidigungen bzw. Titulierungen von anderen eine Sauerei sind… vielleicht kannst du es ihnen ein bisschen verzeihen, denn dahinter liegt die Angst davor, dass das eigene Kind „zu wenig“ Lebenschancen erhält und der Neid auf diejenigen, die sich diese Sorge wg. guter /sehr guter Noten vermeintlich weniger machen müssen.

    Dass bei einem Kind mit einer Behinderung diese Sorge dein täglicher Begleiter sein wird, unabhängig von den Noten, vergessen diese Menschen wahrscheinlich.

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    • Doch, ich freue mich sehr. Er macht jetzt noch die vierte Klasse hier und dann ziehen wir um. Mich ärgert es einfach, dass wir uns hier immer mit dem leichtesten Weg zufrieden geben sollen. Am besten das ‚behinderte Kind‘ einfach in die Hauptschule und danach in irgendeine Behindertenwerkstatt. Dass ich nicht immer euphorisch klinge, liegt vielleicht auch an einer grundsätzlichen Erschöpfung. 😉

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